Diese Saison standen wieder, nachdem letztes Jahr nur zwei stattfanden, drei Weltcups auf dem Programm.
Nach dem Weltcup in Thailand (siehe Bericht "Saisonstart mit Weltcup in Asien") vorbei war, konnte ich nochmals einige gute Trainings absolvieren und meine Form nochmals einiges steigern.
Weltcup Gistel
Die Anreise an den zweiten Weltcup in Belgien kannten wir langsam auswendig, da wir schon seit einigen Jahren nach Ostende reisen. Dieses mal war jedoch nur das Hotel das übliche und die Rennen fanden in Gistel, rund zehn Kilometer südlich von Ostende statt. Die vorfreude, dass nach den extrem langweiligen Strecken in den letzten Jahren nun etwas spannendes auf uns zukommt, schlug jedoch schon bald in Ernüchterung um. Das Streckenprofil wies etwa das gewohnte Terrain auf.
Zeitfahren
Beim Zeitfahren konnte ich meine geplante Pace durchziehen und hatte nur anfangs im starken Seitenwind etwas mühe, um meine Spur zu halten (mit meinen verkürzten und angewinkelten Beinen bin ich anfälliger bei Seitenwind). Im Ziel konnte ich mich über neue persönliche Bestwerte im Wattbereich freuen, verpasste jedoch das erste Drittel (das bräuchte ich noch zum zurück ins Nationalkader zu gelangen) als 12.
Strassenrennen
Im Strassenrennen peilte ich erneut das erste Drittel an und wollte diejenigen, welche mich im Zeitfahren seit einigen Jahren knapp knacken, hinter mir lassen. Der Start verlief recht gut, musste jedoch abreissen lassen, damit es mich nicht wieder wie in Thailand, bereits anfangs völlig verblässt. Mit einigen Mitstreitern konnten wir einige Athleten, welche die Spitzengruppe ebenfalls verloren hatten, einholen. Mein Drang nach vorne war jedoch etwas zu stark, weshalb ich nach einer Kurve, welche ich an der Spitze meiner Gruppe durchfuhr alleine war und mich darum wieder zurückfallen lassen musste.
Zuerst konnte ich wieder an die Gruppe anschliessen, jedoch liess mich danach der Rhythmuswechsel aus der Gruppe abfallen und somit die Chance auf das erste Drittel. Am Ende sprintete ich gegen den Rumänen Romsa um die Ränge 11 und 12. So schaute am Ende erneut der 12. Rang heraus.
Montesilvano
Der dritte Weltcup war ebenfalls Neuland und zwar fand dieser in den Abbruzzen in Montesilvano statt. Die Gegend ist für seine hohen Bergen bekannt, von denen einige noch schneebedeckt waren.
Davon bemerkten wir jedoch auf der Strecke jedoch nicht viel, wie in Belgien waren die einzigen Höhenmetern wieder eine Brücke, welche es innert kürzester Zeit zwei Mal zu bewältigen gab.
Zeitfahren
Beim Zeitfahren musste ich auf dem letzten Kilometer gegen den "point of no return" ankämpfen, welches es besonders Mental zu überstehen war. Nach kurzem zöggern konnte ich die Pace ins Ziel bringen und mit dem 12. eigentlich zufrieden sein. Eigentlich zufrieden sein? Genau, weil mit dem 12. Rang verpasste ich das erste Drittel erneut um zwei Ränge.
Strassenrennen
Beim Strassenrennen musste ich mir schnell eingestehen, dass die längeren Geraden mit 42 kmh zu intensiv für mich im Wind sind, besonders weil man jeweils die Kurven stark abbremsen musste, um nicht den gleichen Fehler wie in Belgien zu begehen. Darum entschied ich mich, bei meiner Gruppe mitzufahren und die anderen die Führungsarbeit zu überlassen.
Kurz vor der zweitletzten Runde ging vor dem Athleten vor mir die Lücke auf. Ich wollte dabei "Cool bleiben" und warten bis der Athlet vor mir das Loch wieder schliesst (ging davon aus, dass man mich aus den Reserven locken wollte, da ich mich praktisch das ganze Rennen durch, im Windschatten befand). Als es mir klar wurde, dass der Athlet vor mir effektiv nicht mehr die Kräfte mitzufahren hatte, war die Lucke schon relativ gross und es reichte nicht mehr ganz diese zu schliessen.
Den versuch noch Ränge gut zu machen gelang bis zum Ziel nicht mehr und so wars am Ende der 13. Rang.
Aussicht
Die Formkurve für die EM, welche Mitte Juni im italienischen Maniago stattfindet, stimmt. Jedoch wird es vorraussichtlich ein relativ kleines Startfeld sein, welches ein erstes Drittel erschweren wird.
Zum ersten Mal in der Geschichte des Paracycling fand ein Weltcup in Asien statt. Da die Rennen in den vergangenen Jahren oft an denselben Orten stattfanden, freute ich mich sehr auf etwas Neues. Außerdem gab es endlich wieder einige Höhenmeter im Rennen.
Ankunft und Vorbereitung
Um uns auf die extrem warmen Temperaturen vorzubereiten (Mitte März beginnt in Thailand der Sommer mit Temperaturen um die 38 Grad), reisten wir frühzeitig nach Pattaya, um Trainings in der Hitze absolvieren zu können und unseren Körper an die Bedingungen anzupassen. Da in Chiang Mai die Burning Season war, fanden wir mit Pattaya eine gute Gegend ohne Luftverschmutzung zum Trainieren. Besonders interessant im Training: Die Affen, die keine Scheu vor unseren Bikes zeigten.
Wettkampf
Optimal an die Hitze angepasst, reisten wir weiter nach Bangkok und dann zu den Rennen in Chiang Mai. Nach der Ankunft am Flughafen wurden wir herzlich von Noemi, unserer Guide, sowie dem Chauffeur begrüßt, die wir in dieser Zeit gerne beanspruchen durften.
Strecken und Rennen
Die Strecken des Zeitfahrens und des Straßenrennens waren dieselben, lediglich die Rundenanzahl unterschied sie, wodurch beide Rennen einige Höhenmeter hatten.
Zeitfahren
Ich fand schnell meinen Rhythmus und zog meine Pace bis ins Ziel durch. Nachdem ich die Rangliste studieren konnte, war ich etwas enttäuscht, mich hinter meinem üblichen Rangnachbarn zu sehen, wenn auch nur knapp.
Straßenrennen
Das Strassenrennen startete gleich sehr schnell und ich versuchte im Anstieg nicht abreissen zu lassen, nachdem einige Konkurrenten das Tempo nicht mehr mithalten konnten. Dennoch musste ich auf
der ersten Runde abreissen lassen und bemerkte schnell, dass das hartnäckige daranbleiben wohl ein Fehler war und ich mich total ausgebrannt nicht mehr an den Rang, sondern vielmehr ans irgendwie
das Rennen überstehen, halten musste. Die letzten Anstiege fühlten sich an, als müsste ich demnächst das Bike stehen lassen und mich ins Ziel robben.
Fazit
Trotz des misslungenen Straßenrennens war es insgesamt eine extrem gute Erfahrung. Ich würde mich freuen, wenn der Weltcup im nächsten Jahr wieder stattfinden würde.
Am 25. August reiste ich mit der Schweizer Delegation an die Weltmeisterschaften nach Ronse in Belgien.
Zum ersten Mal hatten wir Handbiker kein Hotel, sondern waren in einem Haus mit eigener Köchin untergebracht. Schon bald wurde uns klar, dass der zunächst unfreiwillige Wechsel vom Hotel ins Haus ein Glücksfall für uns war, da wir hier uns so auf die Rennnen vorbereiten konnten, wie es für uns am optimalsten ist und wir aufgrund der kurzen Distanz zum Start mit dem Bike an die Strecke konnten.
Vorbereitung aufs Zeitfahren
Am Mittwoch, ein Tag vor dem Zeitfahren konnten wir die Zeitfahrstrecke beim offiziellen Training, bei dem die Strecke für den Verkehr gesperrt war, besichtigen. Danach ging es an die eigentliche Renntaktik, mit Austausch mit dem eigenen Trainer, sowie unserem Nationaltrainer und Assistentin.
Dabei wird besprochen welche Intensitäten man auf welchem Streckenabschnitt anpeilen soll (dies ist abhängig von der Rennlänge, höhenprofil und Gegen und Rückenwind). Zudem fuhr unser Nationaltrainer mit uns die Strecke online nochmals ab und erklährte die optimale fahrweise bei Schlüsselstellen.
Zeitfahren
Extrem motiviert, mit dem neuen auf diese Saison hin neuem Bike, begab ich mich ins Zeitfahren. Als ich von einem Kontrahenten eingeholt wurde, wurde mir klar, dass es schwierig sein würde, ganz vorne mitzufahren.
Im Ziel angekommen freute ich mich zuerst, dass ich die mir vorgenommen Intensität fahren konnte. Schon bald war aber klar, dass ich nur dank einem indischen Fahrer, welcher bisher nicht im Weltcup in erscheinung trat, nicht die rote Laterne für den letzten Rang übernehmen musste.
Ruhetag
Während dem nachfolgendem Ruhetag wurde das ganze nochmals analysiert und das Bike überprüft, da sich eine Schraube gelöst hatte.
Strassenrennen
Beim Straßenrennen mussten über vier Runden insgesamt rund 700 Höhenmeter bewältigt werden. Schon im Vorfeld hatte ich mir deshalb Chancen auf eine gute Platzierung ausgerechnet – im Gegensatz zum flachen Zeitfahren kam mir mein vergleichsweise leichtes Gewicht hier zugute.
Der Start verlief etwas holpriger als geplant, da ich zwischen Fahrern welche vor mir gestartet sind eingeklemmt wurde und beinahe einen Crash dadurch verursacht hätte. Aus der missligen Lage gerettet, gings schon bald Bergauf und ich machte mich daran, mich nach vorne zu kämpfen.
Rennverlauf
Bei einer zweier Gruppe in der der Bronzenmedaillengewinner vom Zeitfahren mitdabei war angelangt suchte ich Unterschlupf für die anstehende Abfahrt. Anderst als erwartet, wurde aus der geplanten Erholung in der Abfahrt nichts, sondern es ging intensiver als für mich vorher Berg auf war nun hinunter. Nach einer Zeit im flachen Teil musste ich abreissen lassen.
Schon bald wurde ich von einem Teamkollegen und meinem Lieblingskontrahenten aus Österreich (wir können uns im Strassenrennen extrem gut ergänzen) eingeholt. In der Fläche durfte ich vom Windschatten profitieren, während dem ich bergauf die pushende Rolle übernahm. Kurze Zeit später war ich mit dem Österreichischen Fahrer alleine unterwegs.
Die letzte Runde
Als die letzte Runde anstand und somit die Steigung zum letzten Mal bewältigen war, wurde ich von starken Krämpfen in den Unterarmen geplagt und musste mich von Alexander Gritsch dem Österreicher abreissen lassen. Von Alex hatte ich die Information, dass wir jeweils auf den Rängen 7 und 8 waren und ich somit nun den 8. Rang noch ins Ziel bringen musste. Dabei war es für mich etwas unklar, ob meine Kontrahenten hinten mir es ebenfalls auf die letzte Runde geschaft haben, da ich plötzlich von einigen Begleittöffen umgeben war, was eher darauf hindeutete, dass ich wohl der letzte auf der Strecke sei. Der Vorsprung zubeginn der letzten Runde auf den Fahrer hinter mir betrug rund drei Minuten, was zuwenig war, um verwaltend zu fahren, falls hinter mir dennoch weitere Fahrer auf der letzten Runde waren. nachdem ich nochmals getrunken hatte, waren die Krämpfe etwas weniger geworden.
Zieleinlauf und Fazit
Im Ziel hatte ich schlussendlich noch rund zwanzig Sekunden vorsprung auf den Australier Allen Grant.
Mit dem 8. Rang konnte ich nach dem 9. Rang vom letzten Jahr in Zürich mein bestes WM Ergebnis nochmals um einen Rang verbessern und reisste glücklich mit einem tollem Team (im Team hatten wir sieben Medaillen, fünf davon Gold und zwei Silber) nach Hause.
